Hunderassen Anglo-Francais de Petite Vénerie

Anglo-Francais de Petite Vénerie

Geschichte:
Kreuzungen zwischen britischen und französischen Laufhundrassen sind im Grunde ein alter Hut. Schon Heinrich II., der Frankreich von 1547 bis 1559 regierte, ließ seine Hündinnen von einem weißen schottischen Rüden decken. Harrier und Foxhound wurde dazu benutzt, Gesundheit, Körperbau und Knochenstärke von Poitevin, Billy und Porcelaine zu stärken.

Vor allem im 19. Jahrhundert waren dann Kreuzungen zwischen englischen und französischen Jagdhunden sehr verbreitet. Welche Rassen genau und zu welchem Anteil an der Entstehung des Mittelgroßen Französischen Laufhundes beteiligt waren, läßt sich nicht mehr genau zurückverfolgen. Es sind ihrer aber wohl viele: Beagel, Harrier, Briquet, Petit Bleu de Gascogne, Petit Gascon Saintongeois, Chiens Ariégeois, Artésien Normand, Poitevin, Procelaine. Die einzelnen Stämme und Schläge unterschieden sich aber noch deutlich. Gemeinsam war ihnen natürlich, daß das Blut von englischen und französischen Laufhunden in ihren Adern floß; darüber hinaus waren sie alle relativ klein und - hervorragende Hasenjäger.

Obwohl der Mittelgroße Anglo Francais häufig als Bastard diskriminiert wurde, schätzte ihn so mancher französische Jäger sehr. Etwa ab 1930 propagierte ein gewisser Paul Daubigné eine einheitliche Rasse, und 1957 wurde eine Anerkennung vom französischen Jagdverband (Société de Vénerie) erreicht. Eine weitere Vereinheitlichung erfolgte, und der Standard von 1978 wurde schließlich auch vom internationalen kynologischen Dachverband FCI anerkannt. Außer auf Hasen, kann dieser Hund auf Kaninchen, Füchse und Rehe angesetzt werden, und manche Exemplare der Rasse haben es sogar zu Wildschweinjägern gebracht. Außerhalb seiner Heimat ist der Anglo-Francais de Petite Vénerie kaum bekannt.

Wesen, Haltung:
Für alle, die sich zwischen britischen Vollblütern und französischen Klassikern nicht entscheiden können, ist der Anglo-Francais de Petite Vénerie der ideale Kompromiß. Seine Hauptstärken, Schnelligkeit und Widerstandsfähigkeit, prädestinieren ihn für die Hasenjagd, doch auch als Meutehund auf Rehe, Füchse und Wildschweine wird er immer wieder erfolgreich eingesetzt.

Den optimalen Hasenjäger beschreibt Paul Daubigné folgendermaßen: "Der Hund sollte über eine Reihe von Fähigkeiten verfügen, die einander zum Teil sogar widersprechen und daher selten in einer Rasse zu finden sind: Er muß vernünftig, aber auch zäh sein, Temperament zeigen, aber auch seiner feinen Nase folgen, an Herrchen hängen, sich aber auch selbst aus der Affäre ziehen können. Der Mittelgroße Anglo-Französische Laufhund vereint diesen Mix aus unterschiedlichen Talenten häufig besser als ein reinrassiger Engländer oder Franzose. Sein Riecher läßt, im Vergleich zu französischen Vollblütern, sicher zu wünschen übrig, doch dafür zeigt er mehr Initiative, steckt voller Energie, ist schnell und hat Ausdauer. Jeder Jäger weiß, daß nur eine Meute, die geschickt aus unterschiedlichen Charakteren zusammengesetzt wurde, den gewünschten Erfolg bring."

Die Beziehung des kleinen Anglo zum Menschen basiert von Natur aus auf Gehorsam und Vertrauen. Nur wenn das Verhältnis zwischen Zwei- und Vierbeiner stimmt, gestaltet sich ihre Zusammenarbeit für beide Seiten angenehm. Der Hund geht systematisch und emsig vor, souverän beherrscht er die Regeln seines Fachs. Der Franzose Quadri schreibt in einem Buch über Laufhunde, ihre eigentliche Aufgabe sei es, die Fährte des nächtlichen Wildwechsels aufzunehmen, nicht so sehr aber, den Schlupfwinkel der Beute ausfindig zu machen.

"Hat der Hund die Fährte verloren, so sollte er seinen Scharfsinn einschalten und Eigeninitiative auf die Suche machen. Die Stelle, wo das Wild haltgemacht hat, sucht er gründlich ab, und zwar in einem angemessenen Radius, ohne sich allzu weit zu entfernen: Auf diese Weise wird er die Spur wahrscheinlich schnell wiederfinden. Darüber hinaus spürt ein guter Laufhund das Versteck seiner Beute niemals zufällig auf. Sobald er wieder Witterung aufgenommen hat, zieht ihn die Fährte erneut in ihren Bann."

Hund und Kind: Normalerweise legt der Anglo-Französische Laufhund mit seiner Meute im Zwinger. Kontakt zu Kindern hat er nicht, denn das "müßige Dasein" eines klassischen Begleiters ist ihm fremd. Kommt er jedoch mit kleineren Zweibeinern zusammen, haben diese nichts von ihm zu befürchten: Er reagiert nicht aggressiv, sondern freut sich über die Abwechslung!

Für den Mittelgroßen Anglo-Französischen Laufhund kommt eine Wohnung nicht als Behausung in Frage. Er wünscht sich einen geräumigen Zwinger mit viel Platz zum Toben, aber auch Hygiene und Sauberkeit. Hier verbringt er friedlich seine Tage, immer in freudiger Erwartung der Jagdsaison, die aufgeregt und mit fröhlichem Gebell begrüßt wird. Nach einem anstrengenden Arbeitstag ist er abends froh, nach Hause zu kommen, und gönnt sich erst mal ein wohlverdientes Päuschen. Geht er nicht zur Jagd, so sollte er sich mindestens einmal am Tag im Garten oder Park Ihres (großen) Anwesens die Pfoten tüchtig vertreten können.

Ernährung, Pflege:
Der Anglo-Französische Laufhund braucht keine exquisiten Delikatessen, sondern einfaches Futter von guter Qualität. Ein 25 kg schwerer Hund frißt normalerweise 375 g Fleisch (Innereien, wie Leber, Herz, Kaldaunen...), 180 g Gemüse und 180 g Reis oder Nudeln. Während der Jagdsaison füttern Sie zusätzliche Proteine. Legen Sie keine Knochen in den Zwinger, sie sorgen für Unruhe und Unfrieden, denn die Hunde streiten sich darum. Trockenes Brot in kleinen Mengen dürfen Sie dagegen auslegen, ebenso Eier (sehr gesund!), die wertvolle Vitamine, Fette und Kalzium spenden. Zur Fütterungszeit sollten die Hunde sich daran gewöhnen, hinter einer Peitsche das Startzeichen abzuwarten.

Zu Beginn der Jagdsaison wird dem Hund das Erkennungszeichen seiner Meute ins Fell rasiert - doch damit erschöpft sich sein Pflegeprogramm schon beinahe. Das kurze, dichte Haarkleid reinigt sich selbst. Dafür sollten Sie regelmäßig einen Blick auf seine Sohlenballen werfen, denn Hunde, die so lange Strecken zurücklegen, brauchen vor allem gutes "Fußwerk"! Achten Sie auch auf äußere Parasiten, die Sie, ggf., sofort entfernen.

Widerristhöhe: 40,6 bis 46 cm für beide Geschlechter (Toleranz: 2 cm nach oben oder unten).

Gewicht: 15,4 bis 20 kg für beide Geschlechter.

Farbe: Dreifarbig (tricolor)- weiß, schwarz, lohfarben; zweifarbig - weiß und schwarz (mit blassen lohfarbenen Abzeichen) sowie weiß und orange.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 10 Jahre.

Andere Namen: Anglo-Fracais Petite Taille, Small French-English Hound

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