Hunderassen Picardie-Spaniel

Picardie-Spaniel

Geschichte:
Diese alte Spanielrasse wurde schon am Hofe König Ludwigs XII. gezüchtet. Sie war lange Zeit der Liebling der Adeligen und Könige. Jean-Baptiste Oudry (1686-1755), der Maler der Königlichen Jagdgesellschaften, verewigte den Spaniel mehrfach auf seinen Bildern. Im 19. Jahrhundert, nachdem die Jagdprivilegien abgeschafft worden waren, konnte diesen Hund dann jeder erwerben, so daß er zum wertvollen Gebrauchshund von Bürgern und Bauern wurde. Die Picardie, eine reichgegliederte Landschaft mit Feldern, Sümpfen, Wäldern und Wasserflächen, war das Haupteinsatzgebiet des Epagneul Picard (Picardie-Spaniel) und seines "blauen" Bruders, des Epagneul Blue de Picardie.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden englische Jagdhunde immer beliebter, was dem Picardie-Spaniel natürlich einen herben Schlag versetzte. Doch dank eines leidenschaftlichen Züchters, M. Rattel, konnte er überleben. Auf der Pariser Hundeausstellung im Jahre 1904 stellte Rattel einen Picardie-Spaniel mit perfekt fixierten Charakteristika vor, wovon die Richter sehr beeindruckt waren. Er wurde der Gruppe der Französischen Spaniels (Epagneuls Francais) zugeordnet. Mit der Gründung des französischen Spaniel-Clubs im Jahre 1907 bekam er den offiziellen Namen "Epagneul Picardie". Sein eigener Rasseclub wurde 1921 gegründet.

Manche Kynologen betrachteten den Picardie-Spaniel als Farbvarietät des Französischen Spaniels. Offiziell werden die zwei Spaniels aus der Picardie aber jeweils als eigene Rassen geführt. Unser Epagneul Picard wurde 1938 von der FCI (Federation Cynologique Internationale) anerkannt. Der Picardie unterscheidet sich vom Französischen Spaniel durch seine graue Grundfarbe und die starke Sprenkelung, vor allem aber durch die lohfarbenen Abzeichen über den Augen, um den Fang und an den Läufen. Das Rot stammt laut einigen Kynologen von der Einkreuzung des Gordon Setters her, andere behaupten steif und fest, der Picardie-Spaniel sei ein reinrassiger Franzose... Wie auch immer, Hauptsache sind die jagdlichen Qualitäten des Hundes: Er eignet sich besonders gut für die Schnepfenjagd, weil er weder dorniges Gestrüpp noch Wasser fürchtet. Er ist ein "Allrounder", der gut sucht (und findet), apportiert und sogar als Schweißhund (bei der Suche nach angeschossenem Wild) eingesetzt werden kann.

Wesen, Haltung:
Es ist richtig schade, daß der Picardie-Spaniel bei en Jägern nur noch selten zu finden ist. Mit nur 70 Neueinschreibungen im französischen Rassestammbuch im Jahr 1998 ist er im Vergleich zu dem Französischen Spaniel (589 Geburten pro Jahr) ein richtiges Stiefkind, ebenso verglichen mit dem Blauen Picardie-Spaniel, der immerhin 121 Neueintragungen zu verzeichnen hatte. Und dies, obwohl Kenner seine vielfältigen Talente loben.

"Die Picardie-Spaniels sind exzellente Jagdhunde", liest man in den Annalen. "Durch ihre Herkunft eignen sie sich hervorragend für die Jagd in den Sümpfen, da sie gern ins Wasser gehen und gut apportieren. Sie sind gute Schnepfenjäger und lasen sich auch vom dichtesten Dornengestrüpp nicht abhalten. Auch in der Ebene machen sie sich gut; es handelt sich also um sehr vielseitige Hunde, die es verdienen würden, bekannter zu werden, und deren Rasse mehr Verbreitung finden sollte." Wie alle Hunderassen war auch der Piardie-Spaniel schon Gegenstand von Kritik: "Dieser Hund hat den Ruf, eine kurze Nase zu haben und ein rechter Spätentwickler zu sein. Wir sind der Ansicht, daß seine Nase seinen Beinen entspricht", sagen böse Zungen. In Wirklichkeit hat er einen akzeptablen Geruchssinn (manche sagen sogar: "bemerkenswert gut!").

Der Picardie-Spaniel ist der unangefochtene Meister der Jagd in den Sümpfen, denn er besitzt all die Fähigkeiten, die diese schwierige Aufgabe erfordert: Mut, Arbeitseifer, große Begabung zum Vorstehen und enorme Kondition. Schlechte klimatische Bedingungen machen ihm nichts aus. Doch die Jagd in den Sümpfen wird in Frankreich von Jahr zu Jahr weniger praktiziert. Landwirte und Gärtner legen in vielen Sumpfgebieten Drainagen, um Ackerland zu gewinnen, und außerdem wird die Jagd in immer mehr Landstrichen verboten, meist, um die Zugvögel zu schützen. Natürlich ist Artenschutz eine gute Sache, doch für den Picardie-Spaniel ist diese Entwicklung eher ungünstig. Seine spezielle Begabung ist kaum noch gefragt, und damit sich überhaupt noch Jäger für ihn interessieren, muß er nun in anderen Jagddisziplinen glänzen. Doch diesem überaus vielseitigen Hund bereitet das keine Probleme.

Einer seiner großen Vorteile ist, daß er sich leicht erziehen läßt. Sein fügsamer Charakter macht ihn zu einem gelehrigen Schüler, der sehr diszipliniert, anpassungsfähig und freudig bei der Sache ist. Ihm braucht man nicht mit der harten Tour zu kommen! Zu Hause ist er ein anhänglicher Gefährte, gesellig und offenherzig, und er braucht viel Zärtlichkeit und Zuwendung. Wenn er ein bißchen gehätschelt wird, so tut das seinen Jagdqualitäten keinen Abbruch. Schließlich ist ein inniges Verhältnis zwischen Mensch und Hund eine wichtige Grundvoraussetzung für gute Leistung bei der Arbeit.

Wie alle Spaniels ist der Picardie ein großer Kinderfreund, geduldig, einfühlsam, absolut gutmütig und so richtig zum Knuddeln geeignet. Gleichzeitig ist er ein großer Sportler, der seine jungen Freunde gerne begleitet, ganz gleich, ob sie zu Fuß, mit dem Rad oder mit Rollerblades unterwegs sind.

Der Picardie-Spaniel braucht viel Platz und frische Luft: Eine Stadtwohnung ist absolut nichts für ihn, da würde er nur depressiv. Bieten Sie ihm einen Garten, so groß wie nur möglich, der allerdings komplett umzäunt sein sollte, damit Ihr Freund nicht ausbüxen kann. Vergessen Sie nicht, daß er ein Jagdhund ist und deshalb dazu neigt, sich davon zumachen. Lassen Sie ihn ins Haus: Er ist ein sehr braver Hund und respektiert problemlos die Regeln, die hier herrschen. Natürlich macht ein Welpe schon mal Unsinn, doch in der werden auch die Kleinen sehr schnell vernünftig. Neben einem Picardie-Spaniel kann man gut weitere Haustiere halten. Auch mit anderen Hunden versteht er sich blendend; er denkt nur ans Spielen und geht auf Provokationen erst gar nicht ein.

Ernährung, Pflege:
Der Picardie-Spaniel hat einen kräftigen Appetit. Ein 25 kg schwerer Hund frißt täglich etwa 375 g Fleisch, gemischt mit 180 g Reis oder Hundeflocken und mit 180 g Gemüse. Geben Sie ihm Vitamin- und Mineralpräparate dazu, und sein Wassernapf muß immer frisch gefüllt sein. Während der Jagdsaison, wenn er viel arbeitet, braucht er eventuell mehr zu fressen, damit er genug Eiweiß bekommt. Ein älterer Hund sollte etwas weniger Fleisch und Reis, dafür mehr Gemüse bekommen. Sie können Ihrem Tier durchaus auch Fertigfutter geben. haben Sie sich aber einmal für eine Ernährungsweise entschieden, dann sollten Sie auch dabei bleiben. Wenn Sie Ihren Picardie-Spaniel belohnen wollen, geben Sie ihm einen Hundekeks oder ein Stück Käse oder Apfel.

Täglich einige Bürstenstriche in Wuchsrichtung des Fells reichen bei diesem rustikalen Hund voll aus. So entfernen Sie Schmutz und lose Haare. Bürsten Sie dabei vom Kopf bis zur Rute und von der Mitte des Rückens an den Flanken entlang. Wenn sich Knoten oder Schmutzkrusten nicht auf diese Weise lösen lassen, schneiden Sie sie vorsichtig in Fellrichtung heraus. Wenigstens einmal in der Woche müssen seine langen Ohren ausgeputzt werde, wie auch seine Augen, und auf den guten Zustand seiner Sohlenballen müssen Sie ebenfalls achten.

Widerristhöhe: 55 bis 62 cm bei Rüden zugelassen, 55 bis 60 cm für Hündinnen erlaubt.

Gewicht: 20 bis 25 kg für beide Geschlechter.

Farbe:
Grau getüpfelt oder gesprenkelt mit braunen Platten; meistens mit lohfarbenen Abzeichen an Kopf und Pfoten.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 bis 14 Jahre

Andere Namen: Èpagneul Picard.

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