Hunderassen Bergamasker Hirtenhund

Bergamasker Hirtenhund

Geschichte:
Der vierbeinige Viehhüter trägt sein dichtes Fell in langen, welligen Zotten und gehört zu einer der ältesten Hunderasse Italiens. Seine Ähnlichkeit mit anderen europäischen Kollegen, wie dem Komondor oder dem ungarischen Puli, läßt darauf schließen, daß die drei gemeinsame Vorfahren haben. Diese Tatsache hat zu mancherlei Spekulationen über die Entstehung und Herkunft dieser Hunde angeregt. Oft werden sie auf die Tibetdogge zurückgeführt. Diese soll von asiatischen Stämmen, die auf ihren Eroberungsfeldzügen gen Westen vordrangen und bis nach Süditalien kamen, nach Europa gebracht worden sein. Anderen Meinungen zufolge gelangte der Bergamasker im Gefolge römischer Legionen aus dem Mittleren Osten nach Italien.

Obwohl man den Ursprung der Rasse nicht genau ermitteln konnte, steht fest, daß der Bergamasker seit dem 15. Jahrhundert in der Lombardei zu Hause ist. Hier führt er das Vieh von einer Weide zur anderen, bewahrt seine Schützlinge mutig vor feindlichen Angriffen und hat sich den Schäfern und Bauern schon lange unentbehrlich gemacht. In den italienischen Alpen wimmelt es von Wölfen, die der wertvolle Wachhund unter Einsatz seines eigenen Lebens in die Flucht schlägt.

Trotz dieser großen Verdienste hat man ihn jahrhundertelang kaum zur Kenntnis genommen. Der Weg, den der Cane da Pastore Bergamasco vom einfachen Gebrauchshund der Schäfer zum heutigen Rassehund zurückgelegt hat, ist nur spärlich dokumentiert. Der erste Bergamasker wurde jedenfalls 1898 in das Stammbuch des italienischen kynologischen Landesverbandes eingetragen. Aber erst kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden italienische Kynologen endlich so richtig aufmerksam. Man begeisterte sich schnell für seine enorme Arbeitsfähigkeit und das originelle Aussehen – und gründete die Gesellschaft der Freunde des Bergamaskers. Die Rasse wurde vereinheitlicht und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Im Jahr 1959 gab der Internationale Hundeverband (F.C.I.) einen Standard heraus und erkannte den italienischen Hirtenhund damit offiziell an. Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch schon tausend Jahre treuer Dienste an Volk und Vieh seiner Heimat auf dem Buckel!

Die Bergamasker Alpen gehören heute zu den beliebtesten Feriengebieten Italiens. Kaum zu glauben, daß die Region jahrhundertelang wild, urwüchsig und schwer zugänglich war, so daß der Bergamasker Hirtenhund in seiner Erscheinung ursprünglich geblieben ist.

Wesen, Haltung:
Seinen ursprünglichen Beruf übt der Bergamasker heutzutage leider kaum noch aus. Dafür hat er, genau wie viele Kollege, erfolgreich umgeschult und wird zunehmend als Begleit- und Wachhund eingesetzt – zwei Aufgaben, bei denen er sein Bestes gibt, genau wie seine Vorfahren auf den Hochgebirgsweiden. Generell lobt ihn die Fachwelt als erstklassigen Hirten, der stets mit Feuereifer bei der Sache ist, sich beharrlich und autoritär im Umgang mit den Tieren zeigt und ein ausgeglichenes Wesen hat. Mittlerweile hat sich sein Aktionsradius zwar erheblich eingeschränkt, doch die „ruhige Kraft“ und das Bedürfnis, sich nützlich zu machen, gehören noch immer zu den Hauptmerkmalen der Rasse. So leistet er auch als Wachhund hervorragende Arbeit und muß nicht einmal zornig werden, um Einbrecher in die Flucht zu schlagen. Normalerweise reicht schon ein Blick auf das gewaltige Fellbündel – und dunkle Elemente suchen das Weite! Eine andere Waffe ist zweifellos seine Donnerstimme.

Zu Hause bei seinen Lieben hat der Bergamasker mit diesem furchteinflößenden Zerberus nichts mehr zu tun. Hier zeigt er sein wahres Ich und erweist sich als liebenswerter Gefährte, ständig bemüht, neue Freunde zu finden. Der kräftige Naturbursche liebt seine Familie von Herzen und merkt sofort, wenn jemand fehlt. Sonn- und Feiertage, an denen alle zusammenkommen, genießt er daher auch besonders, um sich von allen Komplimente und Streicheleinheiten abzuholen. In Italien ist der Bergamasker inzwischen ein gefragter Familienhund, dessen Qualitäten sich allmählich überall auf dem Stiefel herumsprechen. Wirklich verbreitet ist er bisher allerdings nur im Norden.

Er läßt sich leicht erziehen, hört aber nicht auf sinnlose Befehle. Der Bergamasker denkt sehr pragmatisch und tut nichts, was er nicht einsieht. Mit mechanischer Abrichtung nach Schema F kommen Sie bei ihm nicht weit. Damit er sich so richtig entfalten kann, braucht er seine Freiheit. Man darf ihn also weder an der Kette halten noch einsperren, sonst verliert er sein ruhiges Gemüt und sein ausgeglichenes Wesen. Außerdem ist er kein Ausreißer. Mit seinen Artgenossen versteht er sich gut und fängt auch von sich aus keinen Streit an, daher sind Spaziergänge mit ihm sehr angenehm.

Bergamasker und Kinder sind in Italien ein unzertrennliches Gespann! Kinder lieben diesen fröhlichen Spielgesellen, der zudem ein verlässlicher Babysitter ist, da er ein untrügliches Gespür für Gefahren hat. Bringen Sie Ihren Kindern aber von Anfang Respekt vor dem vierbeinigen Gefährten bei!

Mit einer engen Behausung gibt sich der Bergamasker Hirtenhund nicht zufrieden. Damit er sich wohlfühlt, braucht er einen möglichst großen Garten, in dem er sich nach Herzenslust austoben kann. Schlechtes Wetter ist für ihn kein Thema: Der kernige Bursche spielt auch bei Regen und Kälte am liebsten draußen. Wer Angst um seine Teppichböden hat, darf ihn daher getrost ausschließlich im Freien halten, denn obwohl der Bergamasker zweifellos viele Qualitäten hat, muß man einfach zugeben, daß er viel Schmutz ins Haus bringt, viel Platz einnimmt und arg „nach Hund“ riecht! Stellen Sie seine Hütte an einen geschützten Platz, aber nicht allzu weit weg vom Geschehen: Schließlich interessiert sich der Bergamasker für alles, was im Haus und auf der Straße passiert. Er ist stolz und sehr eigenwillig – aber nicht gern allein. Außerdem legt er Wert auf Bewegung: Einen ausgedehnten Spaziergang oder eine Runde Dauerlauf am Tag braucht er zu seinem Glück.

Ernährung, Pflege:
Dem kräftigen Kerl hängt der Magen eigentlich immer in den Kniekehlen, weshalb Sie täglich etwa 450 g Fleisch, 220 g Reis oder Nudeln und 220 g Gemüse rechnen müssen. Zusätzliche Vitamine und Mineralien nicht zu vergessen! Er ist nicht besonders anspruchsvoll und akzeptiert ohne weiteres Fertignahrung. Sie sollten jedoch Trockenfutter bevorzugen, damit er sich nicht bei jeder Mahlzeit den hübschen, grauen Bart verklebt. Als Leckerbissen eignen sich große Kalbs- oder Rinderknochen. Geben Sie ihm aber niemals Schafs-, Hühner- oder Hasenknochen, denn die zermalmt er zu spitzen Stückchen, die den Rachenraum oder den Verdauungstrakt verletzen können.

Kaum beginnt sein Haarkleid, die typischen Zotten zu bilden, sollten Sie so wenig wie möglich eingreifen und dem Hund nur regelmäßig den Rücken bürsten. Etwa 1 ½ Jahre nach der Geburt entwickeln sich die langen Haarsträhnen nämlich mehr und mehr zu kompakten, unauflöslichen Strängen, die Sie zunächst in mühsamer Handarbeit voneinander trennen müssen. Der Zottenansatz muß breit bleiben, die einzelnen Schnüre sollten Sie jedoch lang nach unten ziehen, damit sie zum Ende hin ausfransen.

Widerristhöhe: Für Rüden 60 cm, für Hündinnen 56 cm.

Gewicht: 32 bis 38 Kg für Rüden, 26 bis 32 Kg für Hündinnen.

Farbe:
Einfarbig Grau oder fleckig, Falb mit rehbraunen Flecken, einfarbig Schwarz, weiße Abzeichen erlaubt.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 Jahre

Andere Namen: Bergamasco, Cane da Pastore, Bergamasken

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