Hunderassen Bourbonnaiser Vorstehhund

Bourbonnaiser Vorstehhund

Geschichte:
Der Bourbonnaiser Vorstehhund ist kleiner und gedrungener als seine Vettern, gehört aber zu den wenigen französischen Vorstehhunden, deren Bestand heute einigermaßen gesichert scheint. 1997 registrierte das heimische Zuchtbuch immerhin 157 Neueinträge – für eine Rasse, die im Lauf der vergangenen hundert Jahre immer wieder kurz vor dem Aussterben stand, eine durchaus beachtliche Zahl. Sie geht wie viele andere Vorstehhundrassen auf die sog. Vogelhunde zurück: Diese waren im Mittelalter noch treue Begleiter des jagenden Adels. Nach der Französischen Revolution, als das Jagdprivileg aufgehoben wurde, fanden ihre Nachkommen auch in den übrigen Bevölkerungsschichten Freunde.

Das Bourbonnais, eine historische Provinz in Mittelfrankreich, liegt am nördlichen Rand des Zentralmassivs und entspricht dem heutigen Département Allier sowie einem Teil des Département Cher. Früher bestand der Westen der Region vor allem aus Wald, Weiden und Brachland; das zentrale Bourbonnais war geprägt vom fruchtbaren Flußtal der Allier, wo üppige Hecken und Gebüsche wild wucherten; im Osten floß die Sologne, und es gab unzählige Seen und sumpfige Felder. Eine so vielfältige Landschaft bot natürlich fast jeder Wildart den passenden Lebensraum. Um die Gegend vollständig zu erschließen, arbeiteten heimische Jäger eifrig an einem ausdauernden, robusten Vorstehhund, der das Areal methodisch durchkämmen, dabei aber kleiner sein sollte als seine Artgenossen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bourbonnaiser Vorstehhund offiziell registriert und kam erstmals mit den höheren Weihen eines ausgewiesenen Rassehundes in Berühung. Kynologen verfaßten einen Standard und orientierten sich dabei an Yann und Mascotte le Hard, den ersten Champions. Sie betonten besonders die relativ geringe Größe dieser Hunde sowie ihren kurzen, gedrungenen Rumpf, so daß fortan alle größeren Tiere von der Zucht ausgeschlossen wurden. Bis heute gehört die Bourbonnaiser Bracke zu den wenigen Rassen mit angeborener Stummel- oder Kurzrute.

Jahrelang ergingen sich in Frankreich Liebhaber der Rasse in endlosen Diskussionen über das Aussehen des Bourbonnaiser Vorstehhundes. Solange die Konkurrenz aus England noch keine Gefahr darstellte, konnte man sich solche Debatten leisten, doch in den 20er Jahren mußte man alle Kräfte mobilisieren, um zu verhindern, daß die heimische Rasse durch Setter und Pointer von der Bildfläche gedrängt wurde. 1925 änderte man deshalb sogar den Standard.

In Deutschland und manch anderen europäischen Ländern ist das Kupieren von Rute und Ohren bei Hunden verboten. In Frankreich, also in der Heimat des Bourbonnaiser Vorstehhundes, ist dieser Eingriff noch erlaubt. Das Rutenkupieren geht auf eine uralte Tradition zurück: Früher glaubte man, auf diese Weise Würmer zu entfernen, die sich angeblich am liebsten in diesem Bereich aufhielten. Aber auch aus rein „ästhetischen“ Gründen kürzt man heutzutage die Rute von Hunden, was eigentlich sehr schwer nachzuvollziehen ist, denn Bourbonnaiser werden meist mit einer Kurz- oder Stummelrute geboren.

Wesen, Haltung:
Der Bourbonnaiser Vorstehhund läßt sich leicht ausbilden und ist sowohl zu Hause als auch bei der Jagd der beste Gefährte, den man sich wünschen kann. Nicht nur sein kurzes, pflegeleichtes Fell und die ideale Größe (nicht zu groß, nicht zu klein), sondern auch das freundliche Gemüt, die Bereitschaft zur Arbeit und der flexible Charakter machen das Leben mit ihm zu einem einzigen Vergnügen. Nur gut, daß er nicht schon in den 30er Jahren auf der Strecke geblieben ist! Damals stand es gar nicht gut um die Rasse, und nur dem unermüdlichen Einsatz von Doktor Rigondet und Liuis de Lachomette hat sie ihr Überleben zu verdanken. Die beiden leidenschaftlichen Fans des Bourbonnais sorgten dafür, daß der Hund auf jeder Ausstellung gezeigt wurde und sein Können bei diversen Jagdprüfungen unter Beweis stellte. Lohn ihrer Mühe war immerhin ein verstärktes Interesse an der Rasse, das jedoch leider nicht allzu lange vorhielt.

Schon 1939 gab es nur noch wenige Exemplare, deren jagdliche Fähigkeiten zwar niemand in Zweifel zog, die aber nicht verhindern konnten, daß der Bourbonnaiser Vorstehhund fast ganz von der Bildfläche verschwand. Als 1963 noch ein Wurf ins Zuchtbuch eingetragen wurde, schrillten bei den paar verbliebenen treuen Anhängern sämtliche Alarmglocken: Man wollte einen neuen Bestand aufbauen und ging wild entschlossen ans Werk. Und siehe da: Langsam aber sicher kletterten die Zahlen in die Höhe und erreichen 1979 nach einer spektakulären Ausstellung in Montlucon (Département Allier) Spitzenwerte. 1980 fand dann, ebenfalls in der alten Heimat, ein Field Trial auf Wachteln statt, wo der Bourbonnaiser Vorstehhund vor allem mit Unternehmungsgeist glänzte und all sein Können in die Waagschale warf. Ein Jahr später nahm schließlich ein Rasseverein die Arbeit wieder auf.

Währen der letzten hundert Jahre wurde dieser Jagdhund recht verschieden beurteilt. Ein Kenner schreibt: „Besonders zu loben sind seine hervorragende Nase und das ausgezeichnete Vorstehverhalten. Auch für die Arbeit nach dem Schuß eignet er sich vorzüglich, ganz gleich, ob das Wild verletzt ist oder nicht. Daß er mit wenig Begeisterung stöbert, mag ein Schwachpunkt sein, doch für die Schnepfenjagd gibt es zweifellos keinen besseren Hund.“ Nach Meinung anderer Fachleute stöbert der Bourbonnaiser allerdings zu lebhaft! Ganz objektiv läßt sich am Stöberverhalten dieses Hundes heute nichts mehr beanstanden: Er arbeitet äußerst methodisch, allerdings auf deutlich begrenztem Raum als die englischen Jagdhunde.

Stundenlang kann der Bourbonnaiser Vorstehhund mit erhobener Nase durch die Gegend stöbern. Der Erfolg seiner Arbeit auf festem Gelände steht außer Frage, doch wie sieht es mit Sümpfen und Mooren aus, denen er bestimmt nicht nur in Mittelfrankreich des öfteren begegnet? Kein Problem, er ist ein guter Schwimmer springt ohne Umschweife auch in kaltes Wasser und apportiert zuverlässig aus dem nassen Element.

Der Bourbonnaiser Vorstehhund ist ein Engel auf vier Beinen: temperamentvoll, aber nicht überschwenglich. Er spielt für sein Leben gern, läßt sich streicheln, geht mit zum Schwimmen und verbringt seine Zeit gerne mit Ihrer Rasselbande. Bei Ballspielen oder Radrennen kann er sich so richtig verausgaben.

Der Bourbonnaiser Vorstehhund liebt die Natur und fühlt sich im Haus mit Garten wesentlich wohler als in einer Stadtwohnung. Nach guter Erziehung scharrt er keine Löcher in den Boden und läßt auch Ihre sorgsam angelegten Beete in Frieden. Auch einer Hundehütte steht er keineswegs abgeneigt gegenüber: Sie sollte allerdings zu seiner Größe passen und an einem geschützten Platz, nicht allzu weit vom Haus entfernt, stehen. Damit er sich daran gewöhnt, legen Sie anfangs Knochen und Lieblingsspielzeug hinein. Der Bourbonnaiser Vorstehhund steht Herrchen und Frauchen sehr nahe und sollte daher auch ins Haus kommen dürfen, wann immer er möchte. Keine Angst: Er springt nicht aufs Bett, Läufer und Stuhlbeine haben von seinen Zähnen nichts zu befürchten, und das kurze Haar ist sehr staubsaugerfreundlich. Falls Sie nicht jagen, müssen Sie oft mit ihm spazierengehen.

Ernährung, Pflege:
Er frißt, was es sich für einen Athleten seines Kalibers gehört, doch sprengt sein Appetit keinesfalls Ihr Portemonnaie. Für einen 20 kg schweren Hund sehen Sie täglich etwa 300 g Fleisch vor, dazu 150 g Gemüse und 150 g Reis oder Nudeln. Auch konzentrierte Vitamine sollten Sie nicht vergessen. Um den ständigen Belastungen während der Jagdsaison gerecht zu werden, braucht er mehr Proteine als sonst; stärkehaltige Nahrung fördert die Ausdauer. Wenn es sehr kalt ist, sorgen Kohlenhydrate für Wärme von innen. Der Bourbonnaiser Vorstehhund frißt auch Fertigfutter, ob trocken oder aus der Dose. Stellen Sie seinen Wassernapf an ein geschütztes Plätzchen, und erfrischen Sie das Wasser regelmäßig.

Ohne regelmäßige Pflege verliert das hübsche Fell seinen Glanz. Vor allem Stadthunde müssen häufig gebürstet werden, da ihr Fell vom dicken Straßenstaub besudelt ist und keine Möglichkeit hat, sich in der Natur selbst zu reinigen. Verwenden Sei eine harte Bürste, mit der Sie systematisch, immer in Wuchsrichtung, das gesamte Haarkleid bearbeiten. Einmal pro Woche steht Augenpflege auf dem Programm: Diesen empfindlichen Bereich säubern Sie am besten mit lauwarmem, abgekochtem Wasser oder Kamillenlösung (mit Wattestäbchen auftragen). Hängende Ohren erfordern stets Ihr besonderes Augenmerk, da sich hier mit Vorliebe Parasiten einnisten und Entzündungen verursachen.

Widerristhöhe:
Bei Rüden zwischen 51 und 57 cm, bei Hündinnen zwischen 48 und 55 cm.

Gewicht: Bei Rüden 18 bis 25 kg, bei Hündinnen 16 bis 22 kg.

Farbe:
Mit Scheckung, stark bis mittelmäßig gesprenkelt, Haare stark vermischt; im Zusammenspiel können so folgende Farbnuancen entstehen: beim braunen Haarkleid weinrot oder verblaßt-fliederfarben; beim lohfarbenen Haarkleid "Pfirsichbaumblüte".

Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 Jahre

Andere Namen: Bourbonnais Pointer

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